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Hier finden Sie Meinungen und Positionen von Dr. Jürgen Brautmeier über aktuelle Entwicklungen und Tendenzen in der digitalen Welt. Der Blog will interessante Informationen und Kommentare zu Fernsehen, Hörfunk, Internet etc. liefern und die Diskussion relevanter Medien- und Kommunikationsthemen befördern.

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Jürgen Brautmeiers Blogartikel: von einem Hype zum nächsten

Snapchat: Von einem Hype zum nächsten

Snapchat: Von einem Hype zum nächsten

Bei der diesjährigen re:publica war Snapchat ein hippes Thema, schien doch absehbar, dass diese App im Kommunikationsverhalten vor allem jugendlicher Nutzer beständig wichtiger würde. Das Besondere an der App, auf die viele Jugendliche abfahren: Snapchat ermöglicht es, Fotos, die nur kurz (wenige Sekunden lang) sichtbar sind, an Freunde und Bekannte zu schicken, bevor sich die Bilder von selbst in Wohlgefallen auflösen. Dies hat dafür gesorgt, dass sich Snapchat sehr schnell sehr großer Beliebtheit erfreute, mit spannenden Folgen: Nutzer konnten und können buchstäblich nur den einen Moment, den kurzen, intensiven Einblick in das Leben Anderer erleben. Sozialen Druck durch das „Freunde-Sammeln“, Statusdenken durch möglichst viele „Likes“, Mobbing durch Kommentierungen und die ständige Selbstinszenierung wie bei Facebook oder Twitter gibt es dabei nicht. Was für eine Erleichterung im Vergleich zu all den gruppendynamischen Prozessen in anderen sozialen Medien. Zwar können die Schnappschüsse per Screenshot dennoch gespeichert werden, dies zeigt die App jedoch an und ist bei Jugendlichen verpönt, es gehört sich nicht – und der soziale Druck der Peer-Group tut dann sein Übriges.

Nun führt Snapchat die Funktion „Memories“ ein. Medien und Nutzer diskutieren die Frage, ob Snapchat damit sein bisheriges Alleinstellungsmerkmal aufgibt und warum das Ganze? Sind Kategorien wie „Memories“ und „Privater Bereich“ nicht typische Funktionen für Erwachsene, in denen sich das Denken und das Bedürfnis einer anderen Generation spiegeln, die der Ansicht ist, dass alles gesammelt und gespeichert werden müsse? Die einfach nicht loslassen kann? Eine Generation, die einerseits nach Datenschutz schreit (und den Kindern und Jugendlichen deren Missachtung im Netz vorwirft), der aber andererseits die Kurzfristigkeit von Snapchat nicht ausreicht und Inhalte eben doch langfristig speichern möchte?

Während Erwachsene diese Ironie vielleicht noch nicht einmal bemerken, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Jugend unterdessen einfach weiter zum nächsten Medium, zur nächsten App, zum nächsten Spielplatz zieht, auf dem es Neues zu entdecken gibt – ohne Erwachsene. Das Besondere an dieser App, sein Alleinstellungsmerkmal, wird schon wieder verwässert. Das könnte den Hype um Snapchat schnell wieder beenden. Die Geschäftsinteressen dahinter scheinen stärker zu sein als das weitere Wachstum auf bisherigen Pfaden. Aber das erleben wir ja nicht zum ersten und bestimmt nicht zum letzten Mal. Der Pokemon-Go-Hype des Sommers 2016, der alle anderen Hypes erst einmal überlagert hat, belegt dies für alle erkennbar.

Man darf gespannt sein, was als Nächstes passiert. Wenn ein Hype den nächsten jagt, wird es irgendwann auch langweilig. Das zum Trost für alle (Jugendliche wie Erwachsene), die das Gefühl haben, nichts verpassen zu dürfen. Auf meinem Smartphone – als Medienaffiner muss man sich ja auf dem Laufenden halten – bin ich dazu übergegangen, die Apps, die ich nicht mehr nutzte, wieder zu löschen. Alle Follower und Friends will ich damit nicht frustrieren, aber mein Tag hat auch nur 24 Stunden. Und die will ich eigentlich nicht zu viel mit meinem Smartphone verbringen. Ich hoffe allerdings, dass irgendwo ein Chronist festhält, welche Aufregung um welche App es wann gegeben hat. Das muss mit meinem historischen Interesse zusammenhängen.

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